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Was bedeutet der Begriff „Kunst“ in Playing ARTS?

Playing Arts will keine KünstlerInnen ausbilden (siehe „Soll ich da KünstlerIn werden?“)

Grundhaltungen und Strategien zeitgenössischer Künste sind aber eine wichtige Anregung, die auch Playing Arts Projekte anstoßen und bereichern können.

Playing Arts Projekte nehmen potentiell Impulse aus allen Kunstsparten auf , aus: bildender Kunst, Theater, Performance, Malerei, Video, Musik, Tanz, Bildhauerei, Fotografie, Film,...

Zeitgenössische Künste zeigen eine radikal wagende und riskante Bereitschaft zum Ausdruck von (auch schwierigen) Inhalten und deren Fassung in ausdrucksstarken und kommunikativen Formen. Kunst geht Wagnisse ein im Aufgreifen von Themen und in deren Gestaltung und Präsentation, die mit einer geklärten Formsprache (aber gelegentlich durchaus extremen Mitteln) versucht, BetrachterInnen zu erreichen. Kunst zeigt Mut und schreckt nicht vor Verboten, Tabus und Ängsten zurück. Damit ist zumindest auch in Teilen der Künste eine öffentliche Selbstthematisierung, Selbstbefragung und Selbstentwicklung des Subjektes verbunden. KünstlerInnen sind mit ihrer Arbeit identifiziert und wagen einen intensiven, engagierten und oft auch konfrontativ-kommunikativen Ausdruck.

Diese Haltungen sind Ermutigungen für Playing Artists, auch ihren Ausdruck zu wagen und ihm die persönlich angemessene Form zu geben. Zeitgenössische Kunst gibt in diesem Sinne die „Erlaubnis“, sich radikal mit eigenem Blick mit Themen (der Person und der Gesellschaft, Welt) auseinanderzusetzen und sie auch öffentlich zu präsentieren. Kunstprodukte fordern aber auch immer wieder auf, solche Aussagen präzise zu formen, ihnen eine der Aussage angemessene „gute Gestalt“ zu geben. Künstlerische Produktionen stellen insofern Qualitätsansprüche an den individuellen Ausdruck auch von Playing Artist.

Kunst ruft dazu auf, mit seinen eigenen Positionen Kommunikation zu suchen, das Eigene zu zeigen, in die Öffentlichkeit zu gehen und einen Austausch mit anderen zu wagen. In diesem Austausch wird das Eigene geteilt und gerät in einen Weiterentwicklungsprozess.

Impulse aus den Künsten fordern auf, das eigene Spiel zu intensivieren und sich von der künstlerischen Kraft anregen zu lassen. In den Künsten findet sich häufig eine Energie, die durch das Ungewohnte, das Riskierte, das Konsequente und das auf den wesentlichen Punkt Reduzierte, die die „Gemüter erhitzt“. Hier spielt die positive Qualität der Irritation eine wichtige Rolle. Gewohnte Denk- und Handlungsmuster werden von Kunst durchkreuzt und es entstehen Potentiale für Neues. Es sind häufig Handlungen, Aktionen, die einen Aufforderungscharakter haben, selbst Ähnliches zu tun. Playing Arts nimmt diese Anstöße auf und integriert sie aktiv in eigenen Ausdruck und Leben.

Die Handlungsweisen von Kunst können Leben der Nicht-KünstlerInnen angewandt werden: ohne deshalb gleich KünstlerIn werden zu wollen oder zu sollen, entsteht trotzdem etwas wie „Lebenskunst“, ein Weg das eigene Leben durch Selbstirritation und Spiel zu genießen, zu gestalten und zu entwickeln.

Dies kann als „Lebenskunst“ verstanden werden. Schmid (1998, S. 75) verdeutlicht das Konzept der Lebenskunst mit einer alten lateinischen Formel: „fabricando fabricamur“, die bedeutet: „Etwas gestaltend gestalten wir uns selbst; durch die Arbeit der Gestaltung, etwa eines Gegenstandes, werden wir selbst gestaltet; die Herstellung von Etwas ist zugleich die Herstellung von uns selbst“. Playing Arts beginnt mit gestalterischen Produkten, versteht diese aber als Einstieg oder Element einer Ausweitung einer ästhetisch-gestalterischen Haltung auf den gesamten individuellen und sozialen Lebensprozess.

 

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