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Was ist „Selbstzertizifierung als Playing Artist“?

Playing Arts ist ein geschützter Begriff. Dieser formal-rechtliche Schutz wurde vorgenommen, um zu vermeiden, dass sich Projekte/Personen mit dem Etikett schmücken, ohne es zu füllen (also z.B. mit dem Playing Arts Begriff ästhetische Selbstbestimmung suggerieren, dann aber doch Sparten, Techniken, inhaltlich-gestalterische Anweisungen vorgeben, also etwa Regietheater, Kurse zu Zeichentechniken, eng gefasste Themenstellungen, etc. .). Andererseits entsteht damit das ungewünschte Risiko einer festgelegten, „wahren“ Definition von Playing Arts, die der eigenen Grundhaltung der Vervielfältigung der Möglichkeiten (im Sinne einer konstruktivistischen Ethik) widerspräche. Es entsteht das Problem, wie man einerseits die völlige Diffusität einer beliebigen Verwendung des Playing Arts Begriffs und entsprechender Praxen vermeiden kann, dennoch aber nicht in eine rigide vorgegebene, ausschließende Einheitsdefinition und Normidentität von Playing Arts Prozessen verfällt. Anders gefragt: Wie schafft man einen Zusammenhang von Menschen samt ihrer Projekte, Positionen und Entwicklungen, der Differenz ermöglicht, aber nicht in Beliebigkeit verschwimmt, aber auch nicht „fundamentalistisch“ vordefiniert, was richtig und falsch ist und  wer dazu gehört oder ausgegrenzt gehört? Wie schafft man ein Profil, gleichzeitig integrieren kann und auch in Differenz zu anderem unterscheidbar bleibt.

 

Playing Arts versucht damit umzugehen, indem ein gemeinsames Feld der Präsentation des Eigenen (der eigenen Projekte und Positionen) eröffnet wird, in dem vom individuellen ausgehend ein gemeinsamer Qualitätsdiskurs über Ansprüche, Bedingungen, Ergebnisse, Entwicklungsprozesse von Playing Arts geführt wird, der aber wieder in einer individuellen Bewertung/Aneignung dieser Debatten – vorläufig - endet (und nicht etwa in abgestimmten „Grundsatzpapieren, Statuten, Erklärungen“ o.ä.). Diese Debatte der differenten Positionen und Projekte wird auf verschiedene Weise inszeniert, so auf dem jährlichen internationalen Playing Arts Symposium (im Herbst), in dem Teilnehmende ihre Projekte vor- und zur Diskussion stellen. Diese Diskussionen bleiben aber nicht völlig offen und beliebig, sondern kumulieren am Ende des jährlichen Symposiums in einer Selbstzertifizierung der Teilnehmenden als „Playing Artist“. Und das geht so:

 

Jede/r Teilnehmende erhält eine Selbstzertifizierungsbogen, der folgende Fragen enthält:

  1. Was ist zurzeit Playing Arts für mich?
  2. Was waren meine Projekte im vergangenen Jahr?
  3. Was ist meine Frage zurzeit?
  4. Was nehme ich mir vor?

 

Frage 1 bittet um eine persönliche Bestimmung von Playing Arts zu einem jetzigen Zeitpunkt: es wird kein „ewiger“ Grundsatz verlangt, sondern ein persönlicher Definitionsversuch, der momentan ist und sich im Prozess wandeln kann/wird. Hier sind die eigenen Qualitätskriterien gefragt.

Frage 2 geht davon aus, dass sich Playing Arts in (wenn auch noch so kleinen, einfachen) Projekten realisiert und nicht im Theoretisieren verbleiben soll. Playing Arts entsteht, indem man etwas konkret tut und nicht nur im Erheben von Ansprüchen.

Frage 3 unterstellt einen aus gemachten Erfahrungen resultierenden persönlichen Untersuchungs-, Recherche- Forschungsprozess, der nicht unbedingt auf Playing Arts eingegrenzt sein muss. Es wird eine Selbstbefragung/Selbstreflexion unterstellt, die zunächst offene Fragen klärt, die Unsicherheiten, Risiken bezeichnet, damit aber auch eine Weiterentwicklung, eine Richtung möglicher (Ver-)Suche entwickelt.

Das wird in der 4. Frage deutlicher, die vorschlägt eigene Weiterentwicklung konkret zu machen und in Handlungen (wie “groß oder klein“ auch immer) umzusetzen.

 

Diese Fragen werden individuell (kurz oder lang) beantwortet. Dann tauschen sich die Teilnehmenden in Gruppen darüber aus und befragen die Selbstpositionierungen auf Widersprüche, Klarheit, Machbarkeit usw. Als Abschluss unterschreibt der/die SelbstzertifiziererIn seine/ihre „Urkunde“ und bittet andere Beteiligte um ihre Unterschrift. Damit bestätigen diese die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Selbstzertifizierung. Es findet eine Art „kommunikativer Validierung“, eine gemeinsame Wert-Schätzung der individuellen Positionierung statt. Es zählt letztlich nur, was die Person für sich als zertifizierungsrelevant entscheidet, sie bestimmt selbst über die Inhalte, aber dies tut sie im diskursiven Bezug auf andere. Die Selbstzertifizierung kann in diesem Sinne von anderen nicht verweigert, sondern nur hinterfragt werden. Man gibt sich damit in Kooperation, aber nicht in Abhängigkeit von den anderen Mittuenden das Recht, sich ein Jahr lang als Playing Artist zu bezeichnen. Wer nicht am Symposium teilnehmen kann, hat die Möglichkeit sich diesen Zertifizierungsprozess auch außerhalb zu verschaffen, (durch Treffen mit Kollegen, E-Mail- oder Website-Forendebatte, Telefongespräche) der dann in einer Unterzeichnung der endet. Alle Zertifikate werden als Kopie zentral gesammelt, individuelle Aussagen zur Playing Arts Definitionen und Qualitätsansprüchen auf der Website veröffentlicht und nach einem Jahr beginnt man im Rückblick auf das alte Zertifikat sich erneut zu klären seinen Playing Arts-Entwicklungsprozess zu reflektieren und zu zertifizieren.

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