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Was sind Playing Arts MENTOREN?

Als Playing Arts Mentoren werden Personen verstanden, die einerseits selber Prozesse ästhetischer Selbstbildung für sich gestalten und die andererseits auch anderen Menschen Erfahrungen ästhetischer Bildung eröffnen wollen. Mentoren schaffen Rahmen für Playing Arts, erzeugen Anregungen und Basisbedingungen, so dass Menschen sich Playing Arts Prozessen widmen können. Als MentorIn soll man sich nur an andere wenden, wenn man sich selber auch in eigenen  Gestaltungen, ästhetischen Spiel- und Bildungsprozessen erprobt und riskiert. MentorenInnen verstehen sich nicht als AnleiterInnen oder Pädagogisierer, die für andere (Lern-)Erfahrungen entwerfen, Themen bestimmen und diese didaktisch strukturieren und durchführen. Stattdessen wollen sie aus dem Genuss am eigenen Spiel und am Zusammenspiel diese Möglichkeit auch anderen eröffnen. 

Werden Playing Arts Prozesse für andere ermöglicht, beginnen die MentorInnen häufig mit der Erstellung eines ästhetischen Impulsfeldes (ausführlich dazu Riemer 2002) oder auch mit der Öffnung der eigenen Projekte für andere. Sie organisieren Raum, Zeit, Materialien, Ernährung, Licht, soziale Regeln usw. als Rahmen, in dem die Teilnehmenden angeregt (aber nicht gezwungen) werden angebotene Impulse aufzugreifen und aus ihnen eine eigene gestalterische und thematische Spur zu entwickeln.

Elemente solcher Impulsfelder sind vielfältig und hängen von den Assoziationen der MentorInnen ab. Es gibt Videos, Materialien (Farben, Stoffe, Papier,...), Bücher, Musiken, Raumgestaltungen, Spiele, sprachliche Inputs, usw. In einem Anregungsfeld können sich die Teilnehmenden bewegen, können Elemente spielerisch erproben, können herausfinden, was sie selber bewegt, anstößt oder  anspringt. Die MentorInnen ermutigen, die eigenen Ideen, Assoziationen, Wünsche, Phantasien ernst zu nehmen und denen zu folgen, die spannend, motivierend, „heiß“ sind. Sie helfen im gestalterischen Experiment und/oder im Gespräch spielerisch das eigene Thema freizulegen und einen Gestaltungsprozess zu beginnen. Sie inszenieren weder thematisch, noch in Bezug auf Umsetzungschancen  (wenn z.B. eine Projektidee als „teuer“ erscheint, überlasen sie es der/dem Aktiven selber, das Problem zu lösen). Sicherlich gibt es minimale Regeln, deren Einhaltung ermöglicht, dass für alle Spiel und Projektmöglichkeiten offen bleiben und keine Schäden entstehen. Solchen Regeln sind: Irritiere dich selbst und nicht andere; deine freie Entfaltung darf nicht die freie Entfaltung anderer be- oder verhindern; sind die Räume nicht dein, gilt das Prinzip der Rückführbarkeit in des Ausgangszustand; gefährde nicht dein Leib und Leben und das anderer; gehe respektvoll mit eigenen Grenzen und denen anderer um.

Die MentorInnen klären die Rollen und Aufgaben für sich und die Teilnehmenden. Sie bieten sich an als Unterstützer, Rahmengeber und – Halter, als Ermutiger und Reflexionspartner, als Forschungs- und als Bildungsassistenten.

 

Bei der Klärung der eigenen Spuren der Teilnehmenden verwenden die MentorInneinen besonders eine sprachliche und eine gestalterische Strategie: das (herausfordernde) Fragen und das Sagen, sagen verstanden als (ästhetische) Resonanz auf das Erlebte und Erfahrene. Die von MentorInnen in Playing Arts Prozessen gestellten Fragen an die Themenklärung und den Arbeitsprozess von Teilnehmenden dienen eher als Angebote zur Selbstklärung der  befragten Personen und es geht von den Fragen weder Antwortzwang aus, noch geheime Nötigung zu einer bereits vorher feststehenden „richtigen” Antwort. Solche herausfordernden Fragen versuchen, Suggestionen zu vermeiden und eine offene Reflexion der individuellen ästhetischen Projekte anzuregen. Diese Fragen richten sich unter anderem darauf, den „springenden Punkt“, also den ganz eigenen Ansatz einer ästhetischen Spur freizulegen. Sie lauten dann z.B.: Was ist für dich hier das Spannende? Was reizt dich an dieser Spur? Was ist für dich hieran das Besondere? Was daran hat Qualität für dich? Bei anderen Fragen geht es darum, die eigentümliche Gestaltungslogik und die individuellen Regeln offen zu legen, die sich in den Arbeitsmustern der jeweiligen ästhetischen Projekte erschließen lassen. Fragen sind dann: Was war deine Arbeitsregel? Wie bist du vorgegangen? Welches Muster deiner Arbeitsweise kannst du selber erkennen? (Gehst du in die Tiefe oder die Breite? Gehst du in Sprüngen vorwärts oder in kontinuierlicher Entwicklung des einen aus dem anderen? Hast du ein inneres Bild, das du realisieren willst oder lässt du dich vom jeweils Entstandenen inspirieren?).  Weitere Fragen richten sich möglicherweise darauf, dass eine Person ihren Entwicklungsprozess als festgefahren oder blockiert empfindet. Um neue Wahrnehmungsweisen zu eröffnen, können Fragen folgendermaßen lauten: Was willst du aus entstandener Vielfalt herausheben, verdichten, weiterentwickeln? Was kannst du weglassen („Kill your darlings!“)? Welche Anstöße kannst du aus deinen Nebenschauplätzen entnehmen? Was wächst bereits dort, ohne dass du es bisher beachtet hast? Was wäre eine mögliche Gegenbewegung? Wo eckt die Gestaltung an? Wo wird sie für dich selbst unbekannt und überraschend, irritieren oder erschreckend?

 

Mit der Frage „Was könnte dein nächster Schritt sein?” geht es immer wieder um das Herausfordern einer eigenen Entscheidung und die Betonung, dass eine solche Entscheidung immer eine Auswahl aus einer Vielfalt von Möglichkeiten ist. Die befragende Freilegung eigener Gestalten und Gestaltungen erfragt die selbstgewählten Ziele und akzeptiert die individuellen Lösungen. Die Teilnehmenden können ihr eigenes „Bild“ in einer flexiblen, experimentellen Haltung entwickeln, die für sie selbst Überraschendes zutage bringen kann. Die Befragung nach Formalem (und nicht die Bewertung nach stilistischen oder inhaltlichen Kriterien) hilft auch, dem Individuellen eine Form zu geben, die persönliche Aussagen und ihre Gestaltungen einen Bezug zu allgemeinen Zusammenhängen finden lässt – und die nicht im relativistischen Individualismus endet (in dem alles irgendwie gut ist, was einer gemacht hat). Der/die Einzelne wird ermutigt, den eigenen Prozess reflexiv einzuholen, eigene Werte und Entscheidungsregeln anzulegen, aber auch, diese selbstbewusst und selbstkritisch zu reflektieren.

 

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