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Was nutzt Playing Arts? Wozu kann man das gebrauchen?

Playing Arts versucht gerade ein Handlungsfeld freien Spiel und gestalterischer Kreativität zu erzeugen, dass nicht eindeutige Funktionen für etwas anders hat (einen Schulabschluss, ein Qualifikationserwerb, Geldverdienen,...). man kann Playing Arts in diesem Sinne nicht „zu etwas gebrauchen“, weil Spiel sich in sich selbst erfüllt und keine anderen Zwecke kennt.

Allerdings können die Erfahrungen mit Playing Arts Praxis doch Wirkungen haben. Die Erfahrung so zu handeln, sich (häufig ja leider: ausnahmsweise) die Erlaubnis zur Zweckfreiheit zu geben, kann erholend und befreiend sein. Playing Arts kann helfen die eigene Spur, die Themen, die einem wirklich wichtig sind (wieder) zu entdecken und ins Tun zu bringen. Playing Arts kann helfen sich selber an-zu-erkennen, also seinen eigenen Themen und Gestaltungswünsche ernst zu nehmen und nicht abzuwerten und darüber wieder mehr festzustellen, wer man denn sein könnte, wenn man das Funktionieren mal zurückstellt. Playing Arts kann helfen, sich und seine Gestaltungen weder durch Grandositätsdruck noch durch Mickerigkeitsangst zu verhindern. Playing Arts Erfahrungen sind deshalb selten „grandios“: niemand verspricht, Bewusstseinserweiterung, schnelle und weitgehende Selbstveränderung, Heilung, oder ähnliches. Es geht mehr um die freundlich-bescheidene, leicht-spielerische,  zwanglose, show- und narzimußreduzierte Art sich auf zunehmend eigene Weise gestalterisch zu entfalten, ohne sofort eine Ausstellung oder eine Bildbad zu machen, Geld damit zu verdienen oder die Kollegen zu beeindrucken. Beeidrucken sollte man zuerst sich selber.

Ist das (Psycho-)Therapie oder therapeutische Selbsterfahrung ?

Nein. Playing Arts ist keine Therapie. Es gibt keine Therapeuten und kein Ziel von Heilung, auch weil es keine Unterstellung von Defizit oder Krankheit bei den Spielenden gibt. Es gibt keine psychologischen Deutungen oder geheime oder öffentliche psychologische Interpretationen von gestalterischem Handeln, weder durch Mentoren, noch durch Teilnehmende. Auch die „Resonanzen“ von Teilnehmenden sollen sich auf die gestalterische Arbeit, auf ihre Form und ihren (wenn man so will: sachbezogenen) Prozess beziehen und jeglichen Kommentar zu Charakter, Psyche oder Vergangenheit eines Beteiligten unterlassen.

Playing Arts kann in einem anderem Sinne als im psychotherapeutischen durchaus als eine Selbst-Erfahrung bezeichnet werden: wenn man an selbstgewählten Gestaltungen und Themen arbeitet „erfährt“ man sich selber. Man stellt fest, welche Ideen man hat, welche (technischen) Fähigkeiten; man bemerkt (gestalterische) Grenzen, verspürt möglicherweise  Unsicherheit ,sich auszudrücken und damit sich „zu zeigen“ oder man gerät gar in Selbstabwertung;  man erkennt seine Weisen mit „Krisen“ umzugehen, seine Fähigkeiten, Unfertigkeit und Ungewissheit auszuhalten. Solche Erfahrungen sind bei freier Gestaltungsarbeit kaum zu umgehen, sie sind Chance und Herausforderung solchen Vorgehens. Gerade weil man sich in Gestaltungen entäußert, also Prozess und Produkt auch „sachlich“ vor einem stehen, wird das eigen durch dies „Sache“ zurückgespiegelt, reflektiert. Aus der Erlebnissen, Emotionen, Reaktionen der Gestaltung wird „Erfahrung“, wenn der eigene Prozess reflexiv eingeholt wird, wenn er ins Bewusstsein rückt.
Solche Erfahrungen sind aber in Playing Arts nicht vordringlich intendiert: Playing Arts zielt an Spiel und Kunst orientiert auf das Produkt und den gestalterischen Prozess, nicht aber isoliert auf die Wahrnehmung und Reflexion der damit verbundenen physio-psychischen Erfahrungen. Sie sind nicht vermeidbar, aber das Subjekt entscheidet selber, wie es damit umgehen will. Die Freiheit in Playing Arts, nicht seine Psyche bearbeiten zu sollen, nicht sich dauernd in Selbstreflexionen umkreisen zu müssen, eröffnet Chancen, sich „der Sache“, also seinem Projekt zu widmen zu können. Man kann Abstand von sich nehmen und ist doch ganz bei sich. Man kann sich ausdrücken, ohne dafür psychische oder funktionale Rechtfertigungen abgeben zu müssen. Diese Erfahrungen sind für viele Playing Artists positiv, manchmal anstrengend, aber doch lohnend.

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