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Was hat Playing Arts mit Jugendarbeit zu tun?

Playing Arts ist ein Konzept und eine Praxis ästhetischer Bildung. Playing Arts ist nicht exklusiv für Jugendarbeit gedacht/gemacht, Playing Arts ist auch ist kein spezifisches Konzept von Jugendkulturarbeit. Playing Arst entstand aber auch in Bezug auf Erfahrungen und Settings von Jugendarbeit. (siehe Frage zur Geschichte von Playing Arts).

Playing Arts und Jugendarbeit haben Gemeinsamkeiten in Zielen und strukturelle Charakteristika. Die Ziele von Jugendarbeit werden hier vereinfachend in Bezug auf den § 11 des SGB VIII formuliert. Jugendarbeit versucht, Kindern und Jugendlichen ein Erfahrungsfeld zu eröffnen, in dem sie Selbstbestimmung und Mitverantwortung praktizieren können. Ähnlich (und in Bezug auf ästhetische Bildung) zielt Playing Arts auf die Erfahrung von Selbstentfaltung der ästhetischen Gestaltungs- und Ausdruckspotenziale der Person in einem sozialen Zusammenhang von anderen Mittuenden. (siehe Frage: was hat Playing Arts mit Bildung zu tun?)

In Bezug auf solche Ziele von Jugendarbeit und Playing Arts sind auch die Strukturen des Freiraums, den beide erzeugen wollen, ähnlich. Jugendarbeit und Playing Arts beruhen auf Freiwilligkeit, man kann selber über die Teilnahme entscheiden und das, was man tut, hängt völlig von der eigenen Motivation ab. Playing Arts und Jugendarbeit sind von Offenheit gekennzeichnet, die darin besteht, allen Interessierten Beteiligung zu eröffnen (und nicht auf bestimmte Gruppierungen oder Themen einzugrenzen). Die Offenheit ist eine wichtige Vorbedingung des Strukturcharakteristikums der Interessenorientierung, denn nur wenn Offenheit für die selbstgewählten Themen der Teilnehmenden besteht, können sie tatsächlich ihre Interessen umsetzen. Playing Arts und Jugendarbeit stellen das ins Zentrum, was die Beteiligten wirklich bewegt, was sie für sich umsetzen und entwickeln wollen. Das allerdings geschieht unter der Strukturbedingung der Selbstorganisation: die Beteiligten sind gehalten, selbstorganisiert, selbst- und mitverantwortlich ihre Interessen zu realisieren. Dieses wird ihnen nicht wohlmeinend pädagogisch abgenommen, sondern bleibt Element (und auch Herausforderung) ihrer gemeinschaftlichen Selbstbestimmung.

Die Differenz zwischen Playing Arts und Jugendarbeit besteht vielleicht darin, dass Playing Arts eine Fokussierung vornimmt. Unter allen möglichen Weisen der selbstbestimmten und mitverantwortlichen Umsetzung eigener Interessen der Beteiligten spezialisiert sich Playing Arts auf solche der ästhetischen Gestaltungen. Diese allerdings grenzt sie nicht auf bestimmte Sparten ein (Malerei, Theater, Skulptur ...), sondern eröffnet eher einen kaum begrenzbaren Raum möglicher Handlungsformen, die weit über eine Engführung durch Kunstsparten hinaus gehen. Playing Arts knüpft an das Konzept der „sozialen Plastik“ von Joseph Beuys an, der auch in den sozialen, produzierenden, gesellschaftlichen Handlungen der Menschen eine kreativ gestaltende künstlerische Tätigkeit erkannte. Vom Ästhetischen ausgehend wird so doch wieder der Blick auf das gesamte individuelle und soziale Handlungspotenzial und Handlungsfeld eröffnet. Aber: Jugendarbeit zielt auf Erfahrungen von Demokratie, d.h. die Berechtigung zu Mitentscheidung und die Pflicht zur Mitverantwortung an der Gestaltung der sozialen Settings in der Jugendarbeit wie in der Gesellschaft. Ästhetischer Ausdruck hingegen kann nicht demokratisiert werden.

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