Onlineatelier

Title : no foto
Date: 12.05.2017

no foto

ich hatte eine große menge wörter und sätze. sie waren für unser atelier wortkollisionen von vielen spieler*innen in ganz deutschland gesammelt worden. „sprachlicher beifang“ (ein begriff, den ich von peter sloterdijk geliehen habe), gesammelt, aufgeschnappt, gewollt oder unfreiwillig mitgehört....was menschen zueinander sagen.

nach der atelierwoche reizte mich diese vielfältige sammlung – proben der textur des alltäglichen lebens. sätze die aus ihrem zusammenhang genommen geschichten erzählen, bilder, hervorrufen, fiktiv und herrlich subjektiv. dem ersten impuls folgend wollte ich die sätze wieder zu den menschen bringen – ich war gespannt darauf welche wirkung sich einstellt, wenn ich menschen fotografiere und ihnen teile des beifangs zuordne. variantenreicher stoff für einbildungen, kühne behauptungen, zufallstreffer, fiktion....

im bahnhof radolfzell herrscht am morgen ein beeindruckendes menschengewühl. kommen an einem bahnsteig gleich zwei züge an, wälzt sich ein dichter menschenstrom auf der Treppe der unterführung entgegen. hier stehe ich oft und sehe der „menschversickerung“ zu. mit der kamera zoomte ich die ersten personen aus dem gewühl. plötzlich ein zorniger ruf aus der zähfliessenden masse: „no foto!“

was tun mir diesem einspruch? aufgreifen: no foto! am abend entstehen die ersten versuche dem beifang kein foto  zuzuordnen.

eine neue wirkung entsteht.

eva-maria beller

oktober 2016

 


Title : Spiel als Lebensmittel
Date: 09.01.2014

add

 

wörter aus der stadt saugen I aus der luft fischen I vonden wänden kratzen I überhaupt: .....was geschrieben steht I den visuellen sprachlichen „beifang“ zur hauptsache machen I angeregt durch hertamüllers text-collagen I orten und plätzen ihre wörter ablauschen I locationscoutI gefundenes zusammenfügen I verzurren I aufreihen I vermischen I hilfsmittelpagesI verknüpfung persönlicher aufmerksamkeit und gestimmtheit mit ort- und textmaterial I  tagesaktuelle atmosphären I vergnügliche kolaboration

eva-mariabeller 2013

 

wenn du zwei dinge zusammenfügst entsteht etwas neues

erwinwurm

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 


playing arts Projekte seit 1998

Spiel als Lebensmittel

Expedition Alltag

Menschenflug

Rot

MangoZeit

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FreiLichtSpiele

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SalzBuch - wandel wollen wirken lassen

KochBuch

Zukunftsmusik

Zukunftswerkzeuge

Wandelbar

Solo

Luft nach oben

meinten sie: Seele?

indirekt und unvollständig

theedgeofbecoming

stoerenfrieda

freistellen

add

concrete

Spielbewegungen als biografische Wanderzeichen .......

Markierungen zur Selbstvergewisserung: hier bin ich - dorthin zieht es mich.

Handeln im Vorbewußten: Herbeigewünschtem –Treibsandphänomene zwischen Ahnung und mutwilliger Hervorrufung ( „was ich tue, zeigt mir was ich will“ Piere Soulages)

„Erst hantieren dann begreifen“ im Werdegang gibt es selten Vogelperspektive. Vorwärts dichten, rückwärts deuten ...manches reimt sich später, manches bleibt befremdlich und anders. Was ich tue bevor ich ahne, was ich ahne bevor ich weiß und schließlich oftmals erst in der Rückschau auch verstehe.

Wanderzeichen, Momentaufnahmen des Selbstausdrucks, Stroh zu Gold spinnen...die Wandlung geschieht hinter meinem Rücken, während ich vorwärts gehe.

Überhaupt das Phänomen der Entfernung....nur wenig Zeit ist verstrichen, schon denke ich: wer hat dasgemacht? Es blickt einen an wie Außenstehendes.

Geheimnisvoll: das lineare Zeiterleben löst sich auf, die Textur des Lebens entsteht durch Bewegung in verschiedene Richtungen: was morgen kommt habe ich gestern aufgeschrieben, ich erfinde mir eine Vergangenheit und stelle Zukünftiges her.

Und die Eskapaden, die Verlängerung der Gegenwart.Ein Hoch auf alle Ausfallschritte, auf Nebenschauplätze und die Ästhetik des Abschweifens. Eskapaden sind die Spielgelegenheiten der Gegenwart, Pfeffer in der Alltagssuppe.

Zugegeben gelegentlich schaudert es mich fast...was hat es wohl zu bedeuten dieses monatelange Hantieren mit Beton? Freunde blicken mich kritisch an, gelegentlich besorgt: jetzt gießt sie Beton...Selbstbeschränkung und kritische Selbstkontrolle sind die großen Verhinderer, die Spielverderber. Ihnen gilt es die Schutzpatrone der Möglichkeitsräume entgegenzuhalten.

Spieläußerungen als existenzielle Wanderzeichen...

Und die Rhythmen...kurzfristige Strohfeuer, die glimmen können und zu anderer Zeit an anderem Ort wieder aufflackern, vielleicht dann mitexistenzieller Wucht oder nie mehr. Oder die Dauerbrenner „zur Wiedervorlage“ hartnäckig und vorlaut. Manches währt lange und es verwundert einen, daß das gar nicht aufhören

will und sich, wie ureigene Glut, als Lebensthema in Variationen lesen läßt.

Wer dem inneren Feuer folgt kann nicht irren

und ebenso Vertrauen. Mich dem Spielfluss hingeben ohne zu wissen warum und ohne zu wissen wozu. Das wird sich finden.

Fahrtwind entsteht durch beginnen, Leidenschaft entfaltet sich, das Ende vermittelt sich - die Temperatur ist dabei bedeutsam - von selbst. Wenn das Essen kalt ist schmeckt es nicht mehr. Dann entsteht Distanz.Ich bin schon weiter.

Es ist ja ein Wanderweg.

 

Eva-Maria Beller

 


Title : Freistellen
Date: 08.01.2014

Ein gewalttätiger Konflikt im öffentlichen Raum einer kleinen Stadt. Ein Mann wird lebensbedrohlich verletzt und liegt am Boden. Keiner der anwesenden Passanten reagiert. Der Platz ist durch die polizeiliche Markierung gezeichnet. "FreiStellen" bearbeitet die Frage nach dem Einzelnen im öffentlichen Raum durch Reduktion. Wer ist anwesend? Das Prinzip "einebben" durch fortschreitende Entfernung der Umgebung rückt zufällig Anwesende ins Bild. Sukzessiv überdeckt die milchige Lasur das Nebenbei auf dem öffentlichen Platz und macht den Einzelnen zur wichtigsten anwesenden Person.